Apollo - Stephan Schelle

Was haben Michel van Osenbruggen und die Apollo-Missionen der USA gemeinsam? Michel’s Geburtsjahr und die erste bemannte Mondlandung fallen in das Jahr 1969. Was liegt da also für Michel näher, als sich mit diesem Thema musikalisch zu befassen, zumal die Elektronikmusik sehr eng mit der Raumfahrt verbunden ist. Also hat er sich von der Tiefe der Ozeane, die auf seinem 2009’er Album „OceanoGraphy“ das beherrschende Thema war, nun auf die bemannte Raumfahrt konzentriert.

Auf einem Dutzend Titeln nimmt uns Michel aka Synth.NL auf einen Trip von der Erde bis zum Mond mit, angefangen vom Start einer Trägerrakete über fünf einzelne Apollo-Missionen bis hin zur Wasserlandung der Raumkapsel.

Mit „Launchpad“ beginnt die CD kurz vor dem Start der Saturn-Trägerrakete, die noch in ihrer Startposition verankert ist. Dieser Track ist den Astronauten Virgil „Gus“ Grissom, Esward H. White und Roger B. Chaffee gewidmet, die beim Start der ersten Apollo-Mission in der Rakete verbrannten. Michel lässt eine Art Schienengeräusch sowie Morsezeichen erklingen und die Synthies pumpen und wabern dazu. Dann kommen Sprachfetzen und ein vorbei fliegender Hubschrauber rauscht aus den Boxen. Michel hat eine wunderbare Melodie für diesen Track komponiert, die richtig fett aus den Boxen schallt. Ein toller Einstieg in das Album, auch wenn das Ereignis, das er hier vertont hat, eher ernst und traurig ist.

Als nächstes folgt „Apollo 7“, der erste bemannte Raumflug mit einer Saturnrakete. Diesem Ereignis hat Michel das Stück gewidmet, in das er einige Funkgespräche zwischen der Raumkapsel und der Bodenstation, die unter anderem den Countdown einleitet, eingebunden hat. Während des Countdown läuft ein absolut hypnotischer Synthierhythmus im Hintergrund. Das klingt toll. Und während runtergezählt wird, geht der Track dann chillig und hypnotisch weiter. Das Stück „Staging“ behandelt dann den Ablauf, in dem die einzelnen Brennstufen abgetrennt werden. Der Track, den Miochel dazu komponiert hat klingt sehr erhaben. Dabei lässt er die Synthies ordentlich zirpen.

Die Crew von „Apollo 8“ wurde zu einem Flug um den Mond geschickt. Der Track hat herrliche weit öffnende Flächen und wieder zirpende Synthiesounds zu bieten. Letztere erinnern zwar ein wenig an Jean Michel Jarre, aber nur sehr weitläufig. In diesen Track hat Michel auch wieder einige Sprachfetzen der Astronauten mit eingebunden, was ihm ein besonderes Flair gibt. Ich kann mir bei diesen Klängen und Harmoniebögen sehr gut vorstellen, wie die Apollokapsel um den Mond schwebt und in den Erdschatten tritt.

Bevor die Raketen der Apollo-Missionen weiterflogen, umkreisten sie zunächst einmal die Erde im Orbit. Diesem Thema widmet sich Michel in dem schillernden und druckvollen „Orbit“. Man hat das Gefühl die Brennelemente der Saturnraketen zu hören, während die Rakete durch den Orbit fliegt. Danach kommt eine schwebende Sequenz zum Einsatz, bei der Michel stilistisch in Richtung Vangelis abhebt. Hierzu kann ich mir gut vorstellen, wie die Rakete ihre Bahn durch den Erdorbit zieht und man durch die Luken einen erhabenen Blick auf unseren Planeten erhascht.

„Apollo 9“ ist ein sehr rhythmischer Track, in dem es wieder zirpt und zischt und das von einer sehr schönen Melodie begleitet wird. Auch hier sind die Stimmen der Astronauten eingefangen worden. Es folgt das etwas unheimlich beginnende „Docking“. Hier nutzt Michel recht basslastige Synthiesounds. Ein außergewöhnlicher Track, in den aber herrliche Harmonien verwoben wurden. Dann ist es soweit, „Apollo 11“, die wohl bekannteste Mission, kommt zu musikalischen Ehren. Hier klingt Synth.NL wieder eine Spur nach Jean Michel Jarre. Nach anderthalb Minuten entwickelt sich das Stück zu einer richtigen Tanznummer. Auch hier hat Michel einige gesprochene Worte eingebunden, die das Stück sehr authentisch machen. Und die berühmt gewordenen Worte von Neil Amstrong „That’s one small Step for man; one giant leap for Mankind“, die er beim Betreten des Mondes sprach, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

„Earthrise“ ist eine Downtemponummer, bei der man sich gut vorstellen kann, wie die Erde am Horizont des Mondes aufgeht. Ein ungewöhnlicher Anblick, der hier musikalisch sehr gut umgesetzt wurde. Ein weiterer Unfall, der sich bei der „Apollo 13“ Mission ereignete, wird von Michel im gleichnamigen Titel verarbeitet. Ein sehr schöner, teils melancholischer Titel.

Klänge, die mich an Walgesänge erinnern leiten das Stück „Reentry“ ein. Wie muss man sich den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vorstellen? Michel hat daraus einen sehr kraftvollen Track gemacht. Toller Titel. Dann folgt die Landung auf dem Meer, die im Titel „Splashdown“ verarbeitet wird. Bei diesen Klängen, die wieder eine Spur Jarre aufweisen, habe ich das Empfinden, als würde die Kapsel auf den Wellen des Meeres hin- und herschaukeln. Ein gelungener Abschluss einer wirklich tollen CD.

Mit „Apollo“ ist Michel aka Synth.NL sein vielleicht bestes Album gelungen. Die CD klingt sehr kompakt und die einzelnen Stücke sind gut aufeinander abgestimmt. Dazu hat er wieder einen exzellenten Klang produziert, der die herrlichen Melodien ins rechte Licht rücken. Ein tolles Album, das man als Elektronikfreund haben sollte.

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